Die Megazorn-Trilogie
Stückentwicklung von Anton Pleva und Sexy Theater Menschen / Regie, Ausstattung, Text, Schauspiel, Video und Produktion„Mit einem Urinstinkt für Theater, baut Anton Pleva seine Szenen aus Versatzstücken der zeitgenössischen Sachliteratur. Mit Wucht erzählt er, was wir schon wissen. Aber der Spass trägt mit Leichtigkeit über den Abend. Irrer Wortwitz und urkomische Slapsticks, hart an der Grenze zur Qual, denn alles ist so schrecklich (…) Wenn der Protagonist Agent Wow am Schluss seine Verzweiflung über den Verlust seiner Träume herausschreit, sitzt das Publikum wie gebannt.“
Inhalt
Agent Wow, ein ausgebrannter Geheimagent, dessen Superheldenfähigkeit Naivität ist, soll die Welt vor dem faschistischen Megazorn und seinem kleinen Bruder Wutboy retten. In seiner dreiteiligen Reise durch die Wissenschaften tritt er in ein Fettnäpfchen nach dem anderen, trifft einen Weihnachtsmann, der mittlerweile für DHL arbeitet, ist Teil der Sesshaftwerdung und des Aufstiegs der Bonzenzeit in der Bronzezeit, erlebt die Aufklärung aus der Perspektive Voltaires, wird Teil der MEGAZORN-DIE-SHOW, versucht die Werte der westlichen Welt auf dem Hindukusch zu verteidigen, findet aber nur Geburten der Aufklärung und des Kampfes zwischen Freiheit und Gleichheit, verliert seinen besten Freund, seinen Beruf und seinen Mut, verliebt sich in die autoritäre Versuchung, findet Freunde unter Verschwörungsgläubigen, besiegt die Handlanger des Hasses, indem er (aus Versehen) das Internet abschaltet — aber scheitert schlussendlich an der alles zerstörenden Megamaschine.
Die Megazorn-Trilogie sind Teatertexte, auf der Grundlage von wissenschaftlichen Arbeiten aus Soziologie, Geschichte, Anthropologie und Klimaforschung, Texten von Umberto Eco, David Graeber, Cornelia Koppetsch, Pankaj Mishra und vielen anderen, die Hintergründe und Analysen zu gegenwärtigen gesellschaftlichen Problemen liefern, eingebettet in die verrückte Geschichte von Agent Wow.
Megazornige Timeline
Premiere / Das autoritäre Zeitalter des Megazorns
Ernst Deutsch Theater
Online-Premiere / Megazorn 2: Psychological Warfare
Ernst Deutsch Theater
Online-Premiere / Das autoritäre Zeitalter des Onlinezorns
Ernst Deutsch Theater
Premiere / Megazorn 2: Psychological Warfare
Ernst Deutsch Theater
Premiere / Das egoistische Megaende von alles
Ernst Deutsch Theater
Das egoistische Megaende von alles
Einladung zum Theatertreffen Duisburg
Das autoritäre Zeitalter des Megazorns
Freie Szene / Ernst Deutsch Theater / 2019
Weltweit ziehen fremdenfeindliche und autoritäre Themen in die Agenden demokratischer Wahlkämpfe ein. Wie konnte es so weit kommen? Der erste Teil der Megazorn-Trilogie zeigt auf, wie die freiheitlichen Ideen der Aufklärung einen landnehmenden Kapitalismus entfesselten, der die Menschen in eine hierarchische Leistungsgesellschaft zwingt und Faschismus begünstigt.
Wiederaufnahmeförderung des DFDK Hamburg
„Es ist wichtig zu verstehen, dass das Verständnis von Wahrheit nicht nur faktenbasiert ist. Das Verständnis von Wahrheit ist immer auch eine ideologische Überzeugung. Zum Beispiel, dass die „unsichtbare Hand des Marktes“ zu Wohlstand für alle führt, ist eine Überzeugung vieler Ökonomen, aber kein Fakt. Es ist eine Ideologie.“
Elisabeth Wehling, ihre Schwester, in Das autoritäre Zeitalter des Megazorns
Megazorn 2: Psychological Warfare
Freie Szene / Ernst Deutsch Theater / 2021
In einer Welt voller Propagangnam-Style und Money polieren, wird Megazorn die Weltherrschaft an sich reißen und Wutboy den ewigen Hass manifestieren. Zum Glück verteidigt Agent Wow auf den Hindukush die neoliberalen Werte unserer Marktdemokratie. Aber seine Weltanschauung bekommt Risse: Megazorn und sein kleiner Bruder Wutboy sind Geburten der Aufklärung — des Kampfes zwischen Gleichheit und individueller Freiheit — und die gibt es überall. Überall? Oh, neeeeein! — Oh, doch!
Agent Wow findet die Feinde der neoliberalen Weltordnung nicht auf dem Hindukush — seine Weltanschauung bekommt Risse und er findet Freunde unter Anhängern von Verschwörungserzählungen. Der zweite Teil der Megazorn-Trilogie erzählt davon, wie Demagogen Mechanismen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit nutzen und mit den Mitteln psychologischer Kriegsführung Feindseligkeiten schaffen, um Macht an sich zu reißen.
Wird Agent Wow seine Ambiguitätstoleranz überwinden und die Reise ins Zentrum der Feindseligkeit überleben?
Wiederaufnahmeförderung des Fonds für darstellende Künste
„Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, ist sozial geteiltes, also in der Gesellschaft verbreitetes Vorurteil, dass Hass legitimiert — von Benachteiligung, unfairer Behandlung und Hate-Speech über Terror- und Mordanschläge bis zu kollektivem Massenmord.“
Wotan-Wilco Hypemeyer in Megazorn 2: Psychological Warfare
Das egoistische Megaende von alles
Freie Szene / Ernst Deutsch Theater / 2022
Megazorn und sein kleiner Bruder Wutboy scheinen besiegt. Aber eine kleine menschenfeindliche Vereinigung rückwärtsgewandter Kapitalisten will mit allen Mitteln die Erde beherrschen. Werden sie die Welt zerstören?
Dies ist die Geschichte einer Menschheit, süchtig nach Einzigartigkeit – einer Menschheit, die das Universum als Maschine begreift, die Natur als Leistungsgesellschaft und Zusammenleben als hierarchisches System. Sie macht sich die Erde untertan und zerstört, blind für einen Hass, den sie Liebe nennt, alles, was sie berührt: die Wälder, die Tiere, die Meere und auch die Luft. Und während sie ihre Intelligenz besingt, verschwindet jede Melodie aus der Welt – und während alles stirbt, denkt die Menschheit: Bisher hab ich es immer geschafft. Ich hab es immer geschafft. Aber entscheidend ist nicht das Jetzt, entscheidend ist das egoistische Megaende von alles.
Gefördert durch die Behörde für Kultur und Medien in Hamburg
Textauszug aus Das egoistische Megaende von alles
Die Megamaschine III
Ich bin die industrielle Zivilisation.
Ich fälle Bäume, planiere Wiesen und baue Städte und Autobahnen. Ich produziere eure Träume, transportiere euren Müll und fliege euch in den Urlaub.
Ich bin der Grund für eure psychischen Probleme, die Überarbeitung und dass ihr niemals Ruhe findet.
Ich erfinde die Märkte, schaffe den Wettbewerb und verteile die Gewinne.
Ich schaffe Grenzen und mache Krieg.
Ich schöpfe Ressourcen und fresse Energie.
Ich bin die Ursache von Flucht und der Grund für eure Abschottung.
Ich bin in ökonomischen und politischen Institutionen verankert.
In Aktiengesellschaften.
In Gesetzen
Und in internationalen Verträgen.
Ich bin der Grund und die Ursache für Egoismus.
Ich bin ein komplexes System.
Ich bin in deinem Kopf.
Ich bin in deinem Körper.
Ich bin in deinen sozialen Beziehungen.
Ich bin allumfassend.
Ich bin ein totalitäres System.
Ich bin die Megamaschine.
Die Megazorn-Trilogie
Eine Stückentwicklung von Anton Pleva und Sexy Theater Menschen
Freie Szene / Ernst Deutsch Theater / 2019-2025
Mit Henrik Demcker, Michael Grötzsch, Rune Jürgensen, Maximilan Kurth, Tash Manzungu, Marvin Müller, Kristina Nadj, Anton Pleva, Roxana Safarabadi, Daniel Schütter, Ayla Yeginer
Regie, Text, Ausstattung + Video Anton Pleva
Musik + Sounddesign Henrik Demcker
Produktion KTV Hoffnung
Kritik
„Anton Pleva hat einen grandios-bösen Zeitgeist-Text geschrieben, der auf ökologischen und sozialwissenschaftlichen Analysen basiert, aber auf eine so rasant-grandiose Weise präsentiert wird, dass wir gebannt zuhören, obwohl einem ständig bittere Wahrheiten um die Ohren fliegen. (…) Fast nebenbei wird die brutale Wirtschaftstheorie des „homo oeconomicus“ referiert, aber auf eine kabarettistische Weise, bei der man trotz allem auch lachen kann. Lustige Wortspiele lockern das Ganze auf. (…) Beschrieben werden „Wutboys“, für die „Wirklichkeit nur eine Meinung“ ist und die glauben „wegen eines Gendersternchens Faschisten wählen zu müssen“. Die Wutboys freuen sich auch über die Wahlerfolge von „megazornigen Politikern“ und unterstützen – ganz aktuell eingeflochten – die „braunen Flachgeister in Potsdam“. (…) Dem Publikum im Opernfoyer wurde eine Mischung aus klugem Referat, Lesung mit Soundeffekten, politischem Kabarett, Schauspiel und Comedy geboten, das man so noch nie zuvor erleben konnte.“
Peter Klucken
(Rheinische Post)
über Das egoistische Megaende von alles